Die Chronik
Im Gründungsjahr der DDR (1949) fanden sich ehemalige Mitglieder der DLRG und des Sportbundes wieder zusammen und begannen mit einem regelmäßigem Training im Bereich Schwimmen.
Den Grundstein für die Entwicklung des Wasser-Rettungs-Dienstes (WRD) legten die Rettungsschwimmer Konrad Schröpfer, Dettmar Maschke und Georg Grau. Sie organisierten den Neuaufbau in unserer Stadt und der ganzen Republik.
Im April 1950 wurde der erste Lehrgang zur Ausbildung von Rettungsschwimmern im Stadtbad Chemnitz unter Leitung von Schröpfer und Lindner durchgeführt. In jedem weiteren Jahr folgten im Frühjahr und im Herbst ein Lehrgang, dazu noch Sonderlehrgänge für Angehörige der Volkspolizei und der Feuerwehr. Voraussetzung für diese wohl produktivste Zeit in den Anfangsjahren schuf Dettmar Maschke. Alle Voraussetzungen für diese Lehrgänge wurden in eigener Regie geschaffen und bedurften eines großen Maßes an Fleiß und vor allem Kampf mit den Behörden. Maschke schrieb das erste Lehrbuch, das im wesentlichen unsere Entwicklung beeinflußte. Schließlich konnte es 1950 mit Hilfe von Sportausschuß und FDJ gedruckt werden. Er schuf auch eine Prüfungsordnung, eine Puppe zum Kleiderschwimmen, Anschauungstafeln für Anatomie und Erste-Hilfe-Ausbildung, Organe in Formalingläsern, Wiederbelebungsgeräte und vieles mehr. Durch gute Verbindungen gelang es, Gerätepläne zu beschaffen und Geräte für die Ausbildung zu besorgen. Das betrifft zum Beispiel den Pulmotor und den Inhabad. Mehrere Jahre beschäftigte sich Maschke mit der Konstruktion und dem Bau eines Rettungsbrettes. Das von ihm entwickelte Brett (erst stabil, dann eine Art Luftmatratze) wurde in der gesamten Republik jedoch nur bedingt eingesetzt, weil die Materialien nicht den Anforderungen genügten. Eine Patentschrift hat er unserer GO übergeben.
Nach bestandener Prüfung wurde viel Wert auf Weiterbildung gelegt. Judoausbildung zur Verbesserung der Befreiungsgriffe. Umgang mit Signalflaggen und die Tauchausbildung (zuerst die Kreislaufgeräte "Medi Nixe" und später die Preßluftgeräte) gehörten dazu. 1950 wurden zwei Boote in Wismar gekauft und nach Chemnitz gebracht. Die seemännische Arbeit konnte beginnen. Knoten, Segelkunde und Kutterrudern wurden durchgeführt. Bei den Schloßteichfesten (Schloßteich ist ein Gewässer mitten in unserer Stadt) wurden mit Theaterkostümen Rundfahrten für Besucher durchgeführt und somit das Ansehen des WRD erhöht. Auf Plakaten ,Straßenbahnen und Autos wurde auf die Notwendigkeit der Wasseraufsicht hingewiesen. Die größten Probleme waren stets mit den Lehrräumen verbunden. Es wurde in den Anfangsjahren acht mal die Ausbildungsstätten gewechselt. Am Anfang wurde aus jedem beendeten Lehrgang ein neuer Gruppenhelfer gewonnen, der nach dieser Tätigkeit auch als Gruppenleiter eingesetzt wurde. Von diesen Kameraden sind nach 50 Jahren noch viele als Ausbilder tätig. Der ehemalige Landesvorsitzende und Vorsitzender unserer Ortsgruppe ,Manfred Anders, besuchte auch einen dieser ersten Lehrgänge.
Die Bootsausbildung erhielt die Bewährungsprobe 1954 zum Hochwassereinsatz in Chemnitz und Umgebung. Menschen und Tiere wurden bei starker Strömung nachts aus Häusern und Stallungen mit Ruderbooten gerettet und transportiert. Später erhielten wir vom Rat der Stadt Schlauchboote, um besser gerüstet zu sein. Als Dank erhielten wir unseren Bootsschuppen, der bis dahin zur Lagerung von Ruderbooten aus dem Schloßteich gedient hatte. Dieser Schuppen, mittlerweile schon baufällig, war noch lange Zeit unser Ausrüstungsschuppen. Für die schwimmerische Ausbildung hatten wir schon immer die besten Voraussetzungen. Unser Stadtbad ist eines der drei Schwimmbäder in Europa gewesen, welches über eine 50-m Bahn verfügte. Noch heute trainieren wir dort.
Seit 1953 ist der WRD Chemnitz im Seebad Bansin präsent. Das Rettungswesen hat sich dort unter der Leitung von Peter Gruner, Manfred Anders und Bernd Neukirchner zum Vorbild für die gesamte Ostseeküste entwickelt. Die ab 1954 aufgestellten einheitlichen Holzrettungstürme sind eine Konstruktion von Dettmar Maschke. Über die gesamten Jahre gab es regen Kontakt zwischen den Rettungsschwimmern an der Ostsee und in Chemnitz. Noch bis heute bilden die Rettungsschwimmer der Wasserwacht Chemnitz einen Großteil der Einsatzkräfte in den drei Kaiserbädern, Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Sie fahren jedes Jahr zur Haupt- und Nebensaison für mehrer Wochen zum "Dienst" an die Ostsee.
1958 fand der erste zentrale Wettkampf in Halberstadt statt. 1971 wurde die erste DDR Meisterschaft in Rostock durchgeführt. Bei 18 DDR-Meisterschaften stellten die Herren 6x, die Damen 3x und die Gesamtmannschaft 4x den Sieger und machten somit Chemnitz zur erfolgreichsten Mannschaft aller Zeiten in der damaligen DDR. Seit 1952 ist der WRD dem DRK angegliedert. Die Tatsache, dass laut Gesetz eine Aufsichtspflicht in öffentlichen Badeanstalten sowie für Kindergruppen besteht, verhalf dem WRD natürlich zu einem Aufschwung. Gerade die Kinderferienlager erforderten eine große Zahl von ausgebildeten Rettungsschwimmern. Natürlich beschränkte sich das Leben nicht nur auf Ausbildung und Dienst, sondern auch das gesellige Beisammensein spielt bis heute eine große Rolle. Das Lichtelschwimmen zu Weihnachten, Kegelabende, Wanderungen, Radtouren und Vergnügen gehören schon immer zu den Höhepunkten in unserem Vereinsleben. Natürlich gab es nicht immer nur einen Aufwärtstrend.
Am 1. August 1965 wurde das Tauchen im WRD eingestellt. Die Begründung lautete "keine Vorteile bei der Rettung, zuviel Aufwand mit der Wartung". Einige Unfälle mit Todesfolge unterstrichen diese Anweisung. Sicher ist jedoch, dass die Angst vor der Republikflucht Vater des Gedanken war.
Als wir im November 1989 das 40jährige Bestehen des WRD feierten, stand bereits eine Wende in der Geschichte bevor. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Oktober 1990 folgte am 1.1.1991 die Vereinigung der beiden Rot-Kreuz-Organisationen auf deutschem Boden. Das bedeutete auch das Ende des WRD. Der Einigungsvertrag sah Übergangsregelungen vom WRD zur Wasserwacht vor, welche aber in den seltensten Fällen bis zu den Rettungsschwimmern vorgedrungen sind. In unserer Ortsgruppe wurde trotz der ungewissen Zukunft das Training zu den üblichen Zeiten weiter durchgeführt. Es stellte sich für uns die Frage, wie, und vor allem wo werden wir uns zukünftig organisieren. Einer Einladung zum Bundeswettbewerb in Füssen am 2.11.1990 folgend, nahm eine gemischte Mannschaft erstmals an diesem für uns so neuen Ausscheid teil. Schwimmerisch waren die Mannschaften aus den neuen Bundesländern eindeutig überlegen, verloren aber an dem sehr hoch gewichteten Erste Hilfe Programm. Am Ende belegten wir einen 5. Platz. Während dieser Veranstaltung bahnte sich der vielleicht wichtigste Kontakt zwischen Walter Riendl , Bezirksleiter der WW-Oberbayern und Michael Birkner ,damals Leitungsmitglied unserer OG, an. Mit dem Versprechen, Hilfe aus Oberbayern zu erfahren, fuhr die Mannschaft nach Hause.
Die für uns lange diskutierte Frage ob Wasserwacht oder DLRG wurde am 23.3.1991 mit der Gründung der Wasserwacht Sachsen entschieden.Unsere Ortsgruppe war maßgeblich daran beteiligt. Wir stellten über 90 Prozent der damaligen Vorstandsmitglieder und natürlich den Vorsitzenden Manfred Anders, der auch noch heute die Leitung im Freistaat Sachsen inne hat. Natürlich waren zu dieser wichtigsten Versammlung seit 1949 auch Vertreter der WW-Oberbayern präsent. Dank der großen Hilfe in Form von Lehrgängen, Ausbildungsmaterial bis hin zu Booten, konnten wir in kürzester Zeit alle Strukturen auf die neuen Gegebenheiten umstellen. Das riesige Potential an Rettungsschwimmern und die jahrelange Erfahrung in der Wasserrettung ließen uns die Kluft schnell schließen. Heute zählen wir zu den stärksten Ortsgruppen im Landesverband und dieser zu den stärksten in der Bundesrepublik. Beim Bundeswettbewerb erzielten wir bis heute 3mal den 1.Platz bei den gemischten Mannschaften und 1mal den 1.Platz bei den Herren sowie 7mal den 1.Platz bei den Frauenmannschaften. Damit ist Chemnitz die erfolgreichste Ortsgruppe seit dem Bestehen der Bundeswettbewerbe. Auch die beste Rettungsschwimmerin ist in unserer Ortsgruppe. Die amtierende Deutsche Meisterin heißt Anett Birkner.
Natürlich haben wir mittlerweile auch das Tauchen wieder aufgenommen. Pionierarbeit leistete Kamerad Wolfram Tittel, der als 1.Tauchlehrer in unserer OG in die Geschichte eingeht. Motorbootfahren und Katastrophenschutz sind nur weitere Zweige, die in unserer OG unseren Mitgliedern neue Betätigungsfelder bietet.
1999 feierten wir unser 50jähriges Bestehen und wir können mit Stolz von uns behaupten, dass Chemnitz schon immer eine Hochburg in der Wasserrettung war und heute noch ist.
Die erste große Bewährungsprobe für den Katastrophenschutz war das Jahrhunderthochwasser 2002 in Sachsen. Nach dem verheerenden Hochwasser 1954 war es im Ausmaß noch schlimmer und auch länger. Diesmal kam es zur Bergung von Personen und Tieren im Bereich von Niederwiesa. Später kam der Trupp in Torgau zum Einsatz, wo man mit Hilfe der Taucher die Hochwasserdämme mit Folien belegte um Dammbrüchen vorzubeugen. Mit Kameraden Manfred Anders war auch ein Helfer vor Ort, der bereits 1954 mit zum Einsatz kam.
Mit Manfred Anders ist auch der erfahrendste Rettungsschwimmer und Schwimmeister der Vertreter der Wasserwacht Sachsen als Landesleiter gewählt worden. Von 1991 bis 2005 war er, der wohl bekannteste Mann in der Wasserwacht, damit auch der Vertreter auf Bundesebene im Bundesausschuss Wasserwacht. Seit November 2005 ist Michael Birkner Landesleiter der Wasserwacht Sachsen. Er tritt damit das Erbe von Manfred Anders an. Mit der Wahl zum Landesleiter und dem damit verbundenen Vertrauen beweißt die Wasserwacht Chemnitz wieder einmal die führende Rolle in Sachsen und auch in Deutschland. Als zweitgrößter Landesverband nach Bayern, sind die sächsischen Rettungsschwimmer eine feste Größe in der Bundesrepublik und bestätigen das nicht zuletzt bei Bundeswettbewerben, wo seit Bestehen der Wasserwacht unsere Ortsgruppe immer mit zu den besten zählt.
Zur Chronik
Großer Dank für die Erstellung dieser Chronik gilt Kamerad Manfred Anders. Die Aufarbeitung der Bilder wurde von Michael und Felix Birkner durchgeführt.









